Ratgeber

Ballaststoffe: Wie viel braucht man und wo stecken sie drin?

Für Erwachsene empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung mindestens 30 Gramm Ballaststoffe am Tag, die WHO mindestens 25 Gramm aus natürlichen Lebensmitteln. In Deutschland liegt der Verzehr nach der Nationalen Verzehrsstudie II im Schnitt bei 18 bis 19 Gramm. Gute Quellen sind Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Gemüse, Obst, Nüsse und Saaten.

Ballaststoffe sind die Teile von Pflanzen, die der Körper mit seinen eigenen Enzymen nicht verdauen kann. Trotzdem sind sie für Gesundheit und Wohlbefinden wichtig [2]. Für Erwachsene empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) mindestens 30 Gramm Ballaststoffe am Tag [1]. Die meisten Menschen in Deutschland essen deutlich weniger. Dieser Ratgeber erklärt, was die verschiedenen Ballaststoffe im Körper tun, was Studien über ihren Nutzen zeigen und wie du im Alltag auf mehr kommst.

Was Ballaststoffe sind

Die Verbraucherzentrale unterscheidet lösliche und unlösliche Ballaststoffe, die im Körper unterschiedlich wirken [2]. Lösliche Ballaststoffe wie Inulin, Pektin und Betaglucan binden viel Wasser und heißen deshalb auch Quellstoffe. Sie machen den Speisebrei zähflüssiger, sodass er langsamer und gleichmäßiger durch den Darm wandert. Das wirkt Blutzuckerspitzen entgegen und verbessert die Aufnahme von Mineralstoffen. Im Magen bilden sie Gele, die die Schleimhaut vor zu viel Säure schützen, und sie binden Gase, was einem Blähbauch vorbeugt. Darmbakterien nutzen lösliche Ballaststoffe als Energiequelle, was eine gesunde Darmflora unterstützt. Viel davon steckt in Hafer und Gerste, in Äpfeln, Beeren und Pflaumen, in Hülsenfrüchten, Zwiebeln, Chicorée und Artischocken sowie in Leinsamen und Chiasamen [2].

Frau in den Sechzigern stellt Vollkornbrot, Linsen, Haferflocken, Obst und Walnüsse auf einen Holztisch
Bild: KI-generiert

Unlösliche Ballaststoffe wie Zellulose und Lignin bauen weder die Verdauungsenzyme noch die Bakterien im Dickdarm ab. Sie binden weniger Wasser, bleiben länger im Magen und machen schneller satt. Im Darm füllen sie vor allem und können die Darmbewegung anregen. Besonders viel davon enthalten Vollkorn und vor allem Kleie, Wurzel- und Kohlgemüse, die Schale von Obst, Hülsenfrüchte und Nüsse [2].

Eine Sonderform ist die resistente Stärke. Kühlen gekochte Kartoffeln, Nudeln oder Reis ab, wird in rund 12 Stunden etwa ein Zehntel der Stärke umgewandelt. Diese Stärke kommt unverdaut im Dickdarm an und zählt deshalb zu den Ballaststoffen. Der Blutzucker steigt danach etwas schwächer an. Auf die Kalorienbilanz hat das nach der Verbraucherzentrale nur einen verschwindend geringen Einfluss [2].

Weil einzelne Wirkungen auf bestimmte Ballaststoffe zurückgehen, rät die Verbraucherzentrale, verschiedene Quellen zu nutzen [2].

Wie viele Ballaststoffe man am Tag braucht

Die DGE nennt für Erwachsene ab 19 Jahren einen Richtwert von mindestens 30 Gramm Ballaststoffen am Tag. Das entspricht mindestens 14,6 Gramm pro 1.000 Kilokalorien. Der Wert gilt für Frauen und Männer gleich, weil sich ein Unterschied nach Geschlecht derzeit nicht ableiten lässt. Auch für Schwangere und Stillende nennt die DGE mindestens 30 Gramm. Den Richtwert hat sie 2021 abgeleitet. Die Angabe pro 1.000 Kilokalorien beruht auf einer mittleren Energiezufuhr von etwa 2.050 Kilokalorien am Tag. Das ist der Durchschnitt aus 25- bis 50-jährigen Männern mit 2.300 und Frauen mit 1.800 Kilokalorien bei einer körperlichen Aktivität, die die DGE mit dem Wert 1,4 beschreibt [1]. Die Dichte hilft beim Vergleich: Wer weniger isst, kommt bei gleicher Lebensmittelauswahl auf weniger Gramm, die Mahlzeiten sind aber gleich ballaststoffreich.

Für Kinder und Jugendliche von 1 bis unter 19 Jahren gibt die DGE keine Grammzahl an. In ihrer Tabelle steht nur die Dichte von mindestens 14,6 Gramm pro 1.000 Kilokalorien, die ausdrücklich kein Richtwert ist. Einen Referenzwert für diese Gruppe kann die DGE derzeit nicht ableiten [1].

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat 2023 ihre Leitlinie zu Fetten und Kohlenhydraten aktualisiert. Für Erwachsene empfiehlt sie mindestens 25 Gramm natürlich vorkommender Ballaststoffe am Tag. Für Kinder nennt sie mindestens 15 Gramm im Alter von 2 bis 5 Jahren, 21 Gramm von 6 bis 9 Jahren und 25 Gramm ab 10 Jahren [3].

GruppeEmpfehlung pro TagBeleg
Erwachsene ab 19 Jahren, auch Schwangere und Stillendemindestens 30 g (DGE)DGE-Referenzwerte [1]
Erwachsenemindestens 25 g natürlich vorkommende Ballaststoffe (WHO)WHO-Leitlinie 2023 [3]
Kinder von 2 bis 5 Jahrenmindestens 15 g (WHO)WHO-Leitlinie 2023 [3]
Kinder von 6 bis 9 Jahrenmindestens 21 g (WHO)WHO-Leitlinie 2023 [3]
Kinder und Jugendliche ab 10 Jahrenmindestens 25 g (WHO)WHO-Leitlinie 2023 [3]

Wie viel in Deutschland gegessen wird

Nach der Nationalen Verzehrsstudie II liegt der durchschnittliche Verzehr in Deutschland bei 18 bis 19 Gramm Ballaststoffen am Tag [2]. Drei Viertel der Frauen und zwei Drittel der Männer lagen in dieser Studie unter dem Richtwert von 30 Gramm. Die Menge war über alle Altersklassen hinweg recht ähnlich [5].

Die wichtigste Quelle für Ballaststoffe war bei Frauen und Männern Brot. Danach folgten Obst, Gemüse, Pilze und Hülsenfrüchte, Gerichte auf Gemüsebasis und Kartoffeln [5]. Wer beim Brot zur Vollkornvariante greift, ändert also gleich an der wichtigsten Stelle etwas.

Was Ballaststoffe für die Gesundheit bewirken

Ballaststoffe beeinflussen nach der DGE, wie lange der Nahrungsbrei durch den Darm braucht, wie viel Stuhl entsteht und wie fest er ist, wie oft man zur Toilette geht und wie satt man sich fühlt. Außerdem verändern sie die Aufnahme von Nährstoffen und wirken präbiotisch, sie füttern also Darmbakterien [1]. Eine höhere Zufuhr hat nach der DGE schützende Effekte gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes Typ 2, Adipositas, Bluthochdruck, Dickdarm- und Brustkrebs und hängt mit einer geringeren Sterblichkeit zusammen [1].

Eine große Auswertung dazu erschien 2019 in der Fachzeitschrift The Lancet. Ein Team um Andrew Reynolds wertete, unter anderem mit Förderung der WHO, 185 Beobachtungsstudien mit knapp 135 Millionen Personenjahren und 58 klinische Studien aus. Wer am meisten Ballaststoffe aß, hatte gegenüber denen mit den wenigsten ein um 15 bis 30 Prozent geringeres Risiko, früh zu sterben oder an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben. Ähnlich fielen die Zahlen für koronare Herzkrankheit, Schlaganfall, Diabetes Typ 2 und Darmkrebs aus [4].

In den klinischen Studien hatten Menschen mit mehr Ballaststoffen ein niedrigeres Körpergewicht, einen niedrigeren oberen Blutdruckwert und niedrigere Cholesterinwerte. Am stärksten sank das Risiko bei 25 bis 29 Gramm am Tag, die Kurven deuteten auf einen noch größeren Nutzen bei mehr hin. Die Forschenden stuften die Sicherheit der Belege für Ballaststoffe als mittel ein. Die Ergebnisse gelten für gesunde Menschen und nicht für Menschen mit chronischen Krankheiten [4]. Ob dein Risiko für Diabetes erhöht ist, schätzt der Diabetes-Risiko-Test ein.

Wie ein Tag mit wenig und mit vielen Ballaststoffen aussieht

Die Verbraucherzentrale NRW hat drei Beispieltage durchgerechnet. Sie zeigen, wie viel die Auswahl der Lebensmittel ausmacht [2].

Junger Mann frühstückt am Fenster Porridge mit Apfelstücken, Blaubeeren, Mandeln und Leinsamen
Bild: KI-generiert
BeispieltagMahlzeitenBallaststoffeBeleg
WenigWeißbrot mit Käse und Honig, Pommes mit Currywurst, Käsekuchen, belegtes Brötchenetwa 8 gVerbraucherzentrale NRW [2]
GutVollkornbrot mit Sonnenblumenkernen, Erdnussmus und halbem Apfel, Vollkornnudeln mit Erbsen, Spinat und Feta, Smoothie aus Kiwi und Banane, Salat mit Kichererbsen und Graubrotetwa 36 gVerbraucherzentrale NRW [2]
VielPorridge mit Mandeln, Apfel, Blaubeeren und Leinsamen, Linsensalat mit Kürbiskernen, roter Bete und Vollkornbrötchen, Apfel mit Trockenpflaumen und Nüssen, Bohneneintopf mit Kartoffelnetwa 52 gVerbraucherzentrale NRW [2]

Der Unterschied zwischen dem ersten und dem zweiten Tag liegt vor allem im Brot, in den Nudeln und darin, dass Hülsenfrüchte und Gemüse auf den Teller kommen. Mit viel Gemüse, Hülsenfrüchten, Obst, Vollkorn, Nüssen und Saaten sind 30 Gramm oder mehr nach der Verbraucherzentrale gut erreichbar [2].

So kommst du auf mehr Ballaststoffe

Die Ernährungsempfehlungen der DGE führen fast automatisch zu mehr Ballaststoffen. Sie empfiehlt gesunden Erwachsenen mindestens fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag, mindestens einmal pro Woche Hülsenfrüchte, täglich eine kleine Handvoll Nüsse und bei Getreideprodukten die Vollkornvariante. Die Ballaststoffe aus Vollkorn senken nach der DGE das Risiko für viele Krankheiten [6]. Die übrigen Empfehlungen erklärt der Ratgeber Die Ernährungsempfehlungen der DGE erklärt.

Mann Mitte vierzig schneidet in einer hellen Küche Paprika und Brokkoli für einen Bohnensalat
Bild: KI-generiert

Konkrete Quellen nennt die DGE in ihren Referenzwerten: Hülsenfrüchte, Nüsse und Samen, Vollkornprodukte, Gemüse und Obst wie Schwarzwurzeln, Artischocken, Paprika, Rhabarber, Beeren und Birnen sowie Pilze wie Steinpilze und Pfifferlinge [1]. In einer kleinen Studie des Bundesinstituts für Risikobewertung nahmen vegan lebende Erwachsene mehr Ballaststoffe auf als Menschen mit Mischkost [7]. Worauf du bei pflanzlicher Ernährung sonst achten solltest, steht im Ratgeber Vegetarisch und vegan: Auf diese Nährstoffe achten.

Wenn du bisher wenig Ballaststoffe gegessen hast, steigere die Menge langsam, damit sich dein Verdauungstrakt daran gewöhnen kann. Bei größeren Mengen solltest du genug trinken, sonst droht Verstopfung. Das gilt besonders für sehr ballaststoffreiche Lebensmittel wie Kleie, Flohsamenschalen, Leinsamen und Chiasamen [2]. Die DGE empfiehlt gesunden Erwachsenen rund 1,5 Liter am Tag, am besten Wasser oder ungesüßten Tee [6].

Angereicherte Produkte

Manchen Lebensmitteln werden Ballaststoffe zugesetzt, oft mit dem Hinweis, sie täten dem Darm gut. Für Angaben wie "Ballaststoffquelle" oder "ballaststoffreich" muss ein Lebensmittel bestimmte Mindestmengen enthalten [2]. Die WHO bezieht ihre Empfehlung ausdrücklich auf natürlich vorkommende Ballaststoffe [3], und auch die DGE nennt als Quellen übliche pflanzliche Lebensmittel [1]. Wie gut deine Ernährung insgesamt aufgestellt ist, zeigt dir der Ernährungsqualität-Test.

Wann du deine Verdauung ärztlich abklären lassen solltest

Wer seine Ernährung umstellt, gibt dem Verdauungstrakt am besten Zeit. Die Verbraucherzentrale rät deshalb, die Menge an Ballaststoffen langsam zu steigern [2]. Bei bestimmten Verdauungsbeschwerden kann es sinnvoll sein, gezielt bestimmte Ballaststoffe zu erhöhen [2]. Welche das sind, klärst du am besten mit deiner Hausarztpraxis oder einer Ernährungsberatung. Halten Beschwerden länger an, findest du Blut im Stuhl oder verändert sich dein Stuhlgang ohne erkennbaren Grund, gehört das ärztlich untersucht. Welche Untersuchungen zur Darmkrebsvorsorge die Kassen bezahlen, erklärt der Ratgeber Darmkrebsvorsorge: Test oder Spiegelung?

  1. Fachgesellschaft Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr: Ballaststoffe. Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE). Stand Stand Ableitung 2021. abgerufen am 28.10.2026
  2. Organisation Wozu brauchen wir Ballaststoffe?. Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Stand 26.11.2025. abgerufen am 28.10.2026
  3. Behörde WHO updates guidelines on fats and carbohydrates. Weltgesundheitsorganisation (WHO). Stand 17.07.2023. abgerufen am 28.10.2026
  4. Studie Carbohydrate quality and human health: a series of systematic reviews and meta-analyses. The Lancet 393(10170), S. 434 bis 445. Reynolds A, Mann J, Cummings J, Winter N, Mete E, Te Morenga L. Stand 2019. abgerufen am 28.10.2026
  5. Leitlinie Kohlenhydratzufuhr in Deutschland. Kapitel 1 der DGE-Leitlinie Kohlenhydratzufuhr und Prävention ausgewählter ernährungsmitbedingter Krankheiten. Bechthold A, Bräunstrup A, Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE). Stand 2011. abgerufen am 28.10.2026
  6. Fachgesellschaft Gut essen und trinken: Die DGE-Empfehlungen. Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE). Stand ohne Datum. abgerufen am 28.10.2026
  7. Behörde Veganismus: Vitamin B12 wird gut ergänzt, Jod ist das Sorgenkind (Presseinformation 28/2020). Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Stand 31.08.2020. abgerufen am 28.10.2026

Hinweis: Ein Selbsttest gibt dir eine erste Einschätzung. Er ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Untersuchung und keine Diagnose.

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