Ratgeber

Bauchumfang richtig messen: So findest du die richtige Stelle

Um den Bauchumfang zu messen, stellst du dich aufrecht hin und legst ein Maßband waagerecht in der Mitte zwischen dem unteren Rippenrand und der Oberkante des Beckenknochens um den Bauch. Abgelesen wird am Ende einer normalen Ausatmung, ohne den Bauch einzuziehen. Ein Umfang über 88 Zentimetern bei Frauen und über 102 Zentimetern bei Männern deutet nach gesund.bund.de auf zu viel Bauchfett hin.

Den Bauchumfang messen kannst du in einer Minute mit einem einfachen Maßband. Der Wert sagt etwas, das die Waage nicht zeigt: wie viel Fett sich am Bauch sammelt. Damit das Ergebnis taugt, kommt es auf die richtige Stelle, die richtige Haltung und den richtigen Moment beim Atmen an. Diese Anleitung folgt dem Messprotokoll der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Leitlinie des britischen National Institute for Health and Care Excellence (NICE). Aus deinem Wert und deiner Körpergröße rechnet der Taille-zu-Größe-Rechner dann eine Einordnung aus.

Warum der Bauchumfang zählt

Der Body-Mass-Index (BMI) setzt nur Gewicht und Größe ins Verhältnis und sagt nichts darüber, wo das Körperfett sitzt. Fett am Bauch bringt aber ein größeres Risiko für die Gesundheit mit sich als Fett an anderen Stellen. Deshalb messen Ärztinnen und Ärzte bei starkem Übergewicht zusätzlich den Bauchumfang [2, 3].

Mann in den Fünfzigern schwimmt an einem Sommermorgen ruhig seine Bahnen im Freibad
Bild: KI-generiert

Eine gemeinsame Arbeitsgruppe der International Atherosclerosis Society und des International Chair on Cardiometabolic Risk hat 2020 in einer gemeinsamen Stellungnahme zusammengefasst, dass der Taillenumfang über den BMI hinaus eigene Informationen liefert, um Krankheiten und Todesfälle vorherzusagen. Der BMI allein reiche nicht aus, um das Risiko für Herz und Stoffwechsel richtig einzuschätzen. Die Fachleute empfehlen, den Taillenumfang in der Praxis so selbstverständlich zu messen wie ein Vitalzeichen [5]. Auch der WHO-Bericht beschreibt eine große Studie zum Herzinfarkt in 52 Ländern, in der Maße für das Bauchfett das Risiko unabhängig vom BMI vorhersagten [1].

Was du brauchst und wann du misst

Du brauchst ein Maßband, das sich nicht dehnt. Für Studien empfiehlt das WHO-Protokoll sogar ein Band mit einer kleinen Federschnalle, die immer mit derselben Spannung zieht [1]; für zu Hause reicht ein festes Schneidermaßband. Miss möglichst mit wenig Kleidung [1].

Auch der Zeitpunkt spielt eine Rolle. Wasser, Essen und Luft im Magen-Darm-Trakt vergrößern den Taillenumfang. Eine im WHO-Bericht zitierte Fachquelle schlägt deshalb vor, nüchtern zu messen, etwa morgens vor dem Frühstück [1]. Wer seine Werte über Wochen oder Monate vergleichen will, misst am besten immer unter denselben Bedingungen.

Schritt für Schritt: So misst du richtig

  1. Stell dich aufrecht hin, die Füße nah beieinander, die Arme hängen locker an der Seite. Verteil dein Gewicht gleichmäßig auf beide Füße [1].
  2. Taste an der Seite deines Körpers den unteren Rand der untersten Rippe und die Oberkante des Beckenknochens, den Beckenkamm [1].
  3. Leg das Maßband in der Mitte zwischen diesen beiden Punkten um den Bauch. Diese Stelle liegt meist knapp über dem Bauchnabel [1, 4].
  4. Achte darauf, dass das Band rundherum waagerecht liegt, parallel zum Boden. Es liegt eng an, schnürt aber nicht ein [1].
  5. Atme ein paar Mal ruhig und tief durch und entspann den Bauch. Lies den Wert am Ende einer normalen Ausatmung ab [1].
  6. Miss ein zweites Mal. Liegen beide Werte höchstens 1 Zentimeter auseinander, nimm den Mittelwert. Ist der Unterschied größer, miss beide Male neu [1].

Den hinteren Teil des Bandes siehst du selbst nicht. Ein Spiegel hilft zu prüfen, ob es auch am Rücken waagerecht liegt, oder eine zweite Person hält es fest. Für das Verhältnis von Taille zu Hüfte misst du die Hüfte zusätzlich an der breitesten Stelle des Gesäßes, ebenfalls mit waagerechtem Band [1].

Typische Fehler beim Messen

Ein verbreiteter Fehler ist der eingezogene Bauch. Viele spannen beim Messen unbewusst die Bauchdecke an, und das macht den Umfang kleiner. Umgekehrt vergrößert eine ganz schlaffe Bauchdecke den Wert. Das WHO-Protokoll empfiehlt deshalb eine entspannte Haltung und ein paar natürliche Atemzüge vor dem Ablesen [1].

Ein zweiter Fehler betrifft die Stelle. Manche Studien messen am Bauchnabel, andere an der schmalsten Stelle der Taille. Eine Messung auf Höhe des Bauchnabels kann den tatsächlichen Taillenumfang nach den im WHO-Bericht zitierten Arbeiten unterschätzen [1]. Eine Übersichtsarbeit mit 120 Studien fand zwar, dass die gewählte Stelle den Zusammenhang zwischen Taillenumfang und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Sterblichkeit kaum veränderte [1]. Für den Vergleich mit Grenzwerten und mit deinen eigenen früheren Werten solltest du aber immer an derselben Stelle messen.

Weitere Fehlerquellen sind ein schräg liegendes Band, das am Rücken nach unten rutscht, ein zu fest oder zu locker gezogenes Band und eine Messung über dicker Kleidung [1]. Selbst bei sorgfältigem Vorgehen bleibt eine Unsicherheit. In einer Studie mit Jugendlichen lag der Messfehler beim Taillenumfang bei etwa 1,3 Zentimetern, wenn dieselbe Person mehrfach maß, und bei etwa 1,6 Zentimetern zwischen verschiedenen messenden Personen [1]. Ein Unterschied von einem Zentimeter zur letzten Messung ist deshalb noch keine Veränderung.

Deinen Wert einordnen

Für den Taillenumfang allein sind in Deutschland vor allem zwei Grenzen verbreitet. gesund.bund.de und das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) schreiben, dass ein Bauchumfang über 102 Zentimetern bei Männern und über 88 Zentimetern bei Frauen auf zu viel Bauchfett hinweist [2, 3]. Der WHO-Bericht nennt zusätzlich eine niedrigere Stufe.

MaßFrauenMännerEinordnungBeleg
Taillenumfangüber 80 cmüber 94 cmerhöhtes Risiko für Stoffwechselkomplikationen[1]
Taillenumfangüber 88 cmüber 102 cmdeutlich erhöhtes Risiko, zu viel Bauchfett[1, 2, 3]
Taille geteilt durch Körpergrößeab 0,5ab 0,5erhöhtes Gesundheitsrisiko[4]
Taille geteilt durch Körpergrößeab 0,6ab 0,6weiter erhöhtes Gesundheitsrisiko[4]

Die Taillenwerte stammen aus einer niederländischen Stichprobe von gut 4.800 Erwachsenen zwischen 20 und 59 Jahren und waren in einem WHO-Bericht von 2000 als Beispiel gedacht. Eine Empfehlung der WHO sind sie nach dem späteren Expertenbericht nicht, sie werden der WHO aber oft zugeschrieben [1]. Für Menschen südasiatischer, chinesischer oder japanischer Herkunft nennt die Internationale Diabetes-Föderation bei Männern schon 90 Zentimeter als Grenze [1]. Außerdem ist der Taillenumfang allein nur bis zu einem BMI von etwa 35 aussagekräftig, weil darüber fast alle Menschen die Grenzwerte überschreiten [1].

NICE empfiehlt Erwachsenen mit einem BMI unter 35 deshalb, den Taillenumfang durch die Körpergröße zu teilen. Diese Einteilung gilt für Frauen und Männer und alle Herkunftsgruppen gleich. Die Faustregel lautet: Die Taille sollte weniger als halb so groß sein wie die Körpergröße [4]. Wer 1,70 Meter groß ist, liegt mit einer Taille unter 85 Zentimetern also im unauffälligen Bereich. Einen weiteren Blick bietet das Taillen-Hüft-Verhältnis. Wie der BMI deine Messung ergänzt, erklärt der Ratgeber BMI richtig deuten.

Was Alter, Geburten und Wechseljahre verändern

Frauen und Männer speichern Fett unterschiedlich. Männer haben nach dem WHO-Bericht anteilig mehr Fett am Rumpf und weniger an Armen und Beinen, bei Frauen liegt das Fett im jungen Erwachsenenalter eher außerhalb des Rumpfes [1].

Frau Anfang fünfzig macht in einem hellen Kursraum eine ruhige Dehnübung auf der Matte
Bild: KI-generiert

Mit dem Alter verschiebt sich die Verteilung. Vom späten mittleren Alter an nimmt das Fett unter der Haut ab, und mehr Fett sammelt sich im Bauchraum. In US-Daten war der Taillenumfang bei älteren Erwachsenen bis zum Alter von etwa 70 Jahren größer als bei jüngeren. In einer finnischen Studie mit knapp 19.000 Erwachsenen wuchs er über 15 Jahre im Mittel um 2,7 Zentimeter bei Männern und um 4,3 Zentimeter bei Frauen, in jeder Altersgruppe [1].

Geburten verändern die Körperform ebenfalls. In US-Daten von über 16.000 Frauen hatten Frauen, die Kinder geboren hatten, einen größeren Taillenumfang und weniger Fett an Hüften und Oberschenkeln, auch wenn man Alter und BMI berücksichtigte [1]. Die Wechseljahre gehen mit einer Zunahme der Fettmasse und einer Verlagerung von Fett zum Bauch einher. Ob das an den Hormonen liegt oder am Älterwerden, ist laut WHO-Bericht unklar. Eine große US-Studie fand keinen eigenen Effekt der Wechseljahre; die Zunahme von im Mittel 2,2 Zentimetern Taille in drei Jahren ließ sich dort durch Alter und Bewegung erklären [1].

Wann du mit deiner Hausarztpraxis sprechen solltest

Ein Wert über den Grenzen ist ein guter Anlass für ein Gespräch. NICE empfiehlt, sich ärztlich beraten zu lassen, wenn die eigene Messung ein erhöhtes Risiko anzeigt; dazu kann eine Untersuchung der Risikofaktoren für Herz und Stoffwechsel gehören [4]. Nach gesund.bund.de können in der Praxis zum Beispiel Blutdruck, Blutzucker, Cholesterin- und Nierenwerte bestimmt werden [2]. Die Stellungnahme der Fachgesellschaften beschreibt, dass sich der Taillenumfang schon durch regelmäßige Bewegung mittlerer Intensität oder eine veränderte Ernährung messbar verringern lässt [5]. Ob bei dir weitere Risiken für Diabetes zusammenkommen, kannst du mit dem Diabetes-Risiko-Check einschätzen.

Wenn dich das Messen stark beschäftigt, du deinen Bauch sehr oft kontrollierst oder deine Gedanken ständig um Figur und Essen kreisen, kann das ein Zeichen für ein belastetes Verhältnis zum eigenen Körper sein. Unter Hilfe finden steht die Telefonberatung zu Essstörungen.

  1. Behörde Waist circumference and waist-hip ratio: report of a WHO expert consultation, Geneva, 8 bis 11 December 2008. Weltgesundheitsorganisation (WHO). Stand 16.05.2011. abgerufen am 28.10.2026
  2. Behörde Übergewicht und Adipositas. gesund.bund.de, Bundesministerium für Gesundheit, mit dem IQWiG. Stand 16.12.2022. abgerufen am 28.10.2026
  3. Behörde Starkes Übergewicht (Adipositas). Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 24.08.2022. abgerufen am 28.10.2026
  4. Leitlinie Overweight and obesity management (NG246), Abschnitt Identifying and assessing overweight, obesity and central adiposity. National Institute for Health and Care Excellence (NICE). Stand 14.01.2025, aktualisiert 08.01.2026. abgerufen am 28.10.2026
  5. Leitlinie Waist circumference as a vital sign in clinical practice: a Consensus Statement from the IAS and ICCR Working Group on Visceral Obesity. Nature Reviews Endocrinology 16:177 bis 189. Ross R, Neeland IJ, Yamashita S und andere. Stand 2020. abgerufen am 28.10.2026

Hinweis: Ein Selbsttest gibt dir eine erste Einschätzung. Er ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Untersuchung und keine Diagnose.

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