Ratgeber

Zucker reduzieren: Mit diesen Schritten isst du weniger Zucker

Am meisten Zucker sparst du bei den Getränken: Limonade und Saft durch Wasser oder ungesüßten Tee zu ersetzen, raten die deutschen Fachgesellschaften als Erstes. Danach lohnt der Blick auf gesüßte Milchprodukte, Frühstücksflocken und Fertigprodukte sowie auf Zutatenliste und Nährwerttabelle. Honig, Sirup und Agavendicksaft sind nach der DGE so ungünstig wie Haushaltszucker, und von Süßstoffen zur Gewichtskontrolle rät die WHO ab.

Wer Zucker reduzieren möchte, muss nicht auf jedes Stück Kuchen verzichten. In Deutschland stammt der meiste freie Zucker aus wenigen Quellen: aus Süßwaren, Fruchtsäften und Limonaden [3]. Wer dort ansetzt, spart am meisten. Diese Seite zeigt, wie viel Zucker die Fachgesellschaften als Obergrenze nennen, wo er im Alltag steckt, wie du ihn auf der Packung erkennst und was als Ersatz taugt. Wie oft die wichtigsten Zuckerquellen bei dir vorkommen, kannst du vorher mit dem Zuckerkonsum-Check herausfinden.

Wie viel Zucker zu viel ist

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt Erwachsenen und Kindern, weniger als 10 Prozent der täglichen Energie über freien Zucker aufzunehmen. Eine weitere Senkung auf unter 5 Prozent, etwa 25 g oder 6 Teelöffel am Tag, bringt nach der WHO zusätzlichen gesundheitlichen Nutzen, ist aber nur eine bedingte Empfehlung [1]. Bei einem Menschen mit gesundem Gewicht und etwa 2.000 Kilokalorien am Tag entsprechen 10 Prozent rund 50 g, das sind ungefähr 12 gestrichene Teelöffel [2]. Die Deutsche Adipositas-Gesellschaft, die Deutsche Diabetes Gesellschaft und die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) haben sich 2018 der 10-Prozent-Grenze angeschlossen. Sie betonen, dass die 50 g eine Obergrenze sind und keine Menge, die man erreichen sollte [3].

Zu freiem Zucker gehört aller Zucker, den Hersteller, Köche oder Verbraucher Speisen und Getränken zusetzen, und der Zucker in Honig, Sirup, Fruchtsaft und Fruchtsaftkonzentrat. Den Zucker in frischem Obst und Gemüse und den natürlichen Milchzucker zählt die WHO nicht dazu, weil für ihn keine Nachteile belegt sind [1]. Für die 10-Prozent-Grenze hat die WHO nach eigenen Angaben solide Belege, dass sie das Risiko für Übergewicht, Adipositas und Karies senkt [1]. Die deutschen Fachgesellschaften nennen außerdem den Zusammenhang mit Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen [3].

In Deutschland liegt die Zufuhr deutlich darüber. Nach Daten der Nationalen Verzehrsstudie II nehmen Frauen zwischen 15 und 80 Jahren im Mittel 13,9 Prozent ihrer Energie als freien Zucker auf, Männer 13,0 Prozent. Am höchsten ist der Anteil bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen [3].

Schritt 1: Bei den Getränken anfangen

Süßwaren liefern in Deutschland 36 Prozent des freien Zuckers, Fruchtsäfte und Nektare 26 Prozent und Limonaden weitere 12 Prozent [3]. Ein Glas mit 200 ml Saft, Nektar, Limonade oder Cola enthält 20 bis 34 g freien Zucker [3], eine Dose Limonade bis zu 40 g [1]. Bei Getränken kommt etwas hinzu: Der Körper gleicht die Energie aus Getränken schlechter aus als die aus festem Essen, weil sie weniger sättigen [3].

Zwei Kollegen in den Dreißigern füllen in der Pause Gläser mit Sprudelwasser und Zitronenscheiben
Bild: KI-generiert

Die Fachgesellschaften raten deshalb, zuckergesüßte Getränke zu meiden und durch Wasser oder ungesüßten Tee zu ersetzen [3]. Auch Saft zählt zum freien Zucker. Die meisten Sorten enthalten nach der WHO viel davon, auch die ohne Zuckerzusatz [1, 2]. Die DGE hält zusätzlich zu Obst und Gemüse zwei Gläser Saft mit je 200 ml pro Woche für möglich, zum Beispiel als Schorle aus einem Teil Saft und drei Teilen Wasser. Smoothies enthalten meist mehr Zucker als Saft, liefern weniger Ballaststoffe und sättigen schlechter als ganzes Obst [6]. Was und wie viel die DGE zu trinken empfiehlt, erklärt der Ratgeber zu den DGE-Empfehlungen.

Schritt 2: Milchprodukte und Frühstück prüfen

Viel Zucker steckt nach der DGE in gesüßten Milchprodukten wie Fruchtjoghurt, Fruchtquark oder Kakao [5]. Die Verbraucherzentrale rät, stattdessen Naturprodukte zu kaufen und selbst Früchte nach Geschmack hineinzugeben [4]. Wie stark sich Produkte unterscheiden, zeigen Analysen des Max Rubner-Instituts: Fruchtjoghurt enthielt zwischen 4 und 22 g Zucker pro 100 g, Müsli zwischen 0,8 und 33,7 g. Frühstücksflocken für Kinder lagen im Mittel bei 29,2 g pro 100 g und damit fast doppelt so hoch wie andere Frühstücksflocken [3]. Der Vergleich im Regal lohnt sich also, und Naturprodukte, zu denen du selbst frisches Obst gibst, enthalten keinen zugesetzten Zucker [1, 4].

Frau in den Fünfzigern rührt am Frühstückstisch Himbeeren und Haferflocken in eine Schale Naturjoghurt
Bild: KI-generiert

Für Kinder sind die Fachgesellschaften besonders deutlich: Sie sollten nicht an viel Zucker gewöhnt werden und deshalb möglichst keine stark zuckerhaltigen Lebensmittel bekommen, die speziell für Kinder beworben werden [3].

Schritt 3: Versteckten Zucker finden

Zucker steckt auch dort, wo man ihn nicht schmeckt. Ein Esslöffel Ketchup enthält nach der WHO etwa 4 g freien Zucker [1]. Die DGE nennt außerdem Grillsoßen, Dressings und Fertiggerichte wie Tiefkühlpizza [5]. In verarbeiteten Lebensmitteln hat Zucker nach dem Konsensuspapier viele Aufgaben: Er macht haltbar, hält frisch und feucht, verändert Textur und Farbe und rundet das Aroma ab [3]. Die Verbraucherzentrale ergänzt, dass Zucker billig ist und teurere Zutaten wie Früchte im Joghurt ersetzen kann [4].

In der Zutatenliste muss das Wort "Zucker" nicht vorkommen. Häufig eingesetzt werden nach der Verbraucherzentrale Glucosesirup, Traubenzucker, Glucose-Fructose-Sirup, Milchpulver, Fruchtsaft, Süßmolkenpulver, konzentrierter Fruchtsaft, Invertzuckersirup, Maltodextrin und Molkenerzeugnisse [4]. In der Nährwerttabelle steht unter "davon Zucker" die Summe aller Einfach- und Zweifachzucker, auch der natürlich enthaltenen aus Milch oder Obst [4]. Bei Naturjoghurt steht deshalb Milchzucker in der Tabelle, der nach der WHO nicht zum freien Zucker zählt [1, 4].

Zwei Fallen nennt die Verbraucherzentrale bei den Prozentangaben auf der Packung. Sie beziehen sich immer auf einen durchschnittlichen Erwachsenen mit 2.000 Kilokalorien, und die Bezugsgröße für Zucker liegt dort bei 90 g, also deutlich über den 50 g der WHO. Außerdem rechnen manche Hersteller mit sehr kleinen Portionen, zum Beispiel 30 g Müsli, sodass der Zuckergehalt niedriger wirkt [4]. Ein Blick auf die Angabe pro 100 g macht Produkte vergleichbar.

Einige Angaben auf Verpackungen sind gesetzlich festgelegt, andere nicht. Die Tabelle fasst sie nach der Verbraucherzentrale zusammen.

Angabe auf der PackungWas sie bedeutetBeleg
"zuckerfrei"höchstens 0,5 g Zucker pro 100 g oder 100 ml; ein Liter "zuckerfreie" Limonade kann also bis zu 5 g Zucker enthalten[4]
"zuckerarm"höchstens 5 g Zucker pro 100 g bei festen, höchstens 2,5 g pro 100 ml bei flüssigen Lebensmitteln[4]
"zuckerreduziert"mindestens 30 Prozent weniger Zucker als vergleichbare Lebensmittel, bei gleichem oder niedrigerem Energiegehalt[4]
"ohne Zuckerzusatz"kein zugesetzter Zucker und keine andere süßende Zutat; Zucker aus den Zutaten selbst kann enthalten sein[4]
"Süße nur aus Früchten", "natursüß"nicht gesetzlich geregelt; heißt nicht ungesüßt[4]
"weniger süß"nicht gesetzlich geregelt; heißt nicht, dass weniger Zucker verarbeitet wurde[4]

Honig, Sirup und Süßstoff: was als Ersatz taugt

Die DGE bewertet braunen Zucker, Honig, Agavendicksaft, Kokosblütenzucker, Sirupe und "die Süße aus Früchten", wenn sie zum Süßen eingesetzt werden, als genauso ungünstig wie Haushaltszucker [5]. Auch Trockenobst ist kein freier Ersatz für frisches Obst: Es kann nach der DGE eine Portion Obst am Tag ersetzen, die Portion ist aber kleiner, weil Zucker- und Kaloriengehalt höher sind [6].

Süßstoffe wie Acesulfam, Aspartam, Saccharin, Sucralose oder Steviolglykoside liefern keine Energie. Die WHO rät trotzdem davon ab, sie zu verwenden, um das Gewicht zu kontrollieren oder das Risiko für nichtübertragbare Krankheiten zu senken. Grundlage ist eine Übersicht, nach der Süßstoffe auf lange Sicht nicht beim Abnehmen helfen. Die Empfehlung ist bedingt, weil die Zusammenhänge mit Krankheiten in den Studien verzerrt sein können, und sie gilt nicht für Menschen mit bestehendem Diabetes [7]. Die WHO empfiehlt stattdessen, die Ernährung insgesamt weniger süß zu machen, etwa mit Obst oder ungesüßten Lebensmitteln und Getränken [7]. Zuckeraustauschstoffe wie Sorbit, Xylit oder Maltit stecken oft in "zuckerfreien" Bonbons und wirken meist abführend [4].

Gewöhnt sich der Geschmack an weniger Süße?

Oft heißt es, nach ein paar Wochen mit weniger Zucker schmecke Süßes von selbst zu süß. Die Studienlage dazu ist gemischt. In einer kleinen US-amerikanischen Studie sollten 16 Erwachsene drei Monate lang 40 Prozent der Kalorien aus einfachen Zuckern durch Fette, Eiweiß und komplexe Kohlenhydrate ersetzen. Im dritten Monat bewerteten sie Vanillepudding als etwa 40 Prozent süßer als die Vergleichsgruppe. Wie gut ihnen Süßes schmeckte, änderte sich aber nicht [8].

Eine größere Studie aus den Niederlanden und Großbritannien hat das 2026 an 180 Erwachsenen über sechs Monate untersucht. Die Teilnehmenden bekamen etwa die Hälfte ihres Essens gestellt, mit wenig, üblich viel oder viel Süßem. Am Ende unterschieden sich die Gruppen weder darin, wie gern sie Süßes mochten, noch darin, wie süß sie es empfanden, wie viel sie aßen oder wie viel sie wogen. Nach der Studie kehrten alle von selbst zu ihren alten Gewohnheiten zurück [9]. Mehrere Autorinnen und Autoren dieser Studie haben Forschungsgelder, Reisekosten oder Honorare von Unternehmen und Verbänden der Zucker-, Süßstoff-, Getränke- und Lebensmittelbranche erhalten, was in der Veröffentlichung offengelegt ist [9].

Darauf, dass die Lust auf Süßes nach einiger Zeit von selbst verschwindet, solltest du dich nach diesen Ergebnissen nicht verlassen. Die Studie untersuchte süß schmeckende Lebensmittel insgesamt, auch Obst, Milchprodukte und Süßstoffe, nicht freien Zucker allein [9]. Die Grenze für freien Zucker begründen WHO und Fachgesellschaften mit Übergewicht, Karies und weiteren Krankheitsrisiken [1, 3].

Süßes ohne Verbote

Ganz verzichten musst du nicht. Die DGE lässt in ihren Empfehlungen Raum für kleine Extras wie Süßigkeiten oder Knabbereien: Solange die Kalorien- und Nährstoffbilanz stimmt, ist nichts dagegen einzuwenden, sie gelegentlich in kleinen Mengen zu genießen [10]. In dem Rechenmodell hinter ihren Empfehlungen machen solche Lebensmittel bis zu 8 Prozent der Energie aus, und freier Zucker ist dort auf höchstens 10 Prozent begrenzt [11].

Mann und Frau in den Sechzigern teilen sich auf einer Caféterrasse ein Stück Obstkuchen
Bild: KI-generiert

Wenn sich deine Gedanken ständig um Zucker und Verbote drehen oder du vor allem dann zu Süßem greifst, wenn es dir schlecht geht, kann der Check zum emotionalen Essen helfen, das Muster zu verstehen. Beratung bei Essproblemen und Essstörungen findest du unter Hilfe finden.

Wann ärztlicher Rat sinnvoll ist

Weniger Zucker ist eine allgemeine Empfehlung für gesunde Menschen. Wenn du Diabetes hast, gelten die Absprachen mit deiner Praxis, auch zur Frage, ob Süßstoffe für dich infrage kommen; die WHO-Empfehlung gegen Süßstoffe schließt Menschen mit Diabetes ausdrücklich aus [7]. Ob dein Risiko für Typ-2-Diabetes erhöht ist, hilft der Diabetes-Risiko-Check einzuordnen. Weil Zucker Karies fördert [1, 5], lohnt auch ein Blick auf die Zähne: Der Zahngesundheits-Check fragt nach Pflege und Vorsorge.

  1. Behörde WHO calls on countries to reduce sugars intake among adults and children. World Health Organization (WHO). Stand 04.03.2015. abgerufen am 28.10.2026
  2. Behörde Healthy diet (Fact sheet). World Health Organization (WHO). Stand 26.01.2026. abgerufen am 28.10.2026
  3. Leitlinie Konsensuspapier: Quantitative Empfehlung zur Zuckerzufuhr in Deutschland. Deutsche Adipositas-Gesellschaft (DAG), Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG), Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE); Ernst JB, Buyken AE u. a.. Stand Dezember 2018. abgerufen am 28.10.2026
  4. Organisation Zucker und Zuckerersatz: So erkennen Sie Süßmacher in Lebensmitteln. Verbraucherzentralen Brandenburg und Berlin, verbraucherzentrale.de. Stand 05.04.2024. abgerufen am 28.10.2026
  5. Fachgesellschaft Süßes, Salziges und Fettiges: besser stehen lassen. Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE). Stand o. J.. abgerufen am 28.10.2026
  6. Fachgesellschaft Obst und Gemüse: viel und bunt. Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE). Stand o. J.. abgerufen am 28.10.2026
  7. Behörde WHO advises not to use non-sugar sweeteners for weight control in newly released guideline. World Health Organization (WHO). Stand 15.05.2023. abgerufen am 28.10.2026
  8. Studie Reduced dietary intake of simple sugars alters perceived sweet taste intensity but not perceived pleasantness. American Journal of Clinical Nutrition 103(1), S. 50 bis 60. Wise PM, Nattress L, Flammer LJ, Beauchamp GK. Stand Januar 2016. abgerufen am 28.10.2026
  9. Studie The Sweet Tooth Trial: A Parallel Randomized Controlled Trial Investigating the Effects of A 6-Month Low, Regular, or High Dietary Sweet Taste Exposure on Sweet Taste Liking. American Journal of Clinical Nutrition 123(1):101073. Čad EM, Mars M, Pretorius L u. a.. Stand Januar 2026. abgerufen am 28.10.2026
  10. Fachgesellschaft DGE-Ernährungskreis. Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE). Stand o. J.. abgerufen am 28.10.2026
  11. Fachgesellschaft FAQ: Lebensmittelbezogene Ernährungsempfehlungen der DGE. Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE). Stand 29.05.2026. abgerufen am 28.10.2026
  12. Behörde Gesundheits-Check-up. Bundesministerium für Gesundheit (BMG). Stand o. J.. abgerufen am 28.10.2026

Hinweis: Ein Selbsttest gibt dir eine erste Einschätzung. Er ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Untersuchung und keine Diagnose.

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