Ratgeber

Ist Kaffee gesund? Was Studien zu Herz, Krebs und Schlaf zeigen

Für gesunde Erwachsene ist Kaffee in üblichen Mengen nach großen Studienübersichten eher mit Vorteilen als mit Schäden verbunden, am günstigsten schnitten 3 bis 4 Tassen am Tag ab. Ob Kaffee die Ursache ist, zeigen diese Beobachtungsstudien nicht. Bis 400 mg Koffein am Tag, etwa vier Tassen Filterkaffee, hält die EFSA für unbedenklich, in der Schwangerschaft bis 200 mg.

Ist Kaffee gesund? Zu Kaffee und Gesundheit gibt es Hunderte Studien, und die meisten finden bei Menschen, die Kaffee in üblichen Mengen trinken, eher Vorteile als Nachteile. Dieser Ratgeber fasst zusammen, was die großen Übersichten zeigen, wo Kaffee schaden kann und für wen weniger besser ist. Wie viel Koffein du selbst am Tag aufnimmst, kannst du vorher mit dem Koffein-Check ausrechnen.

Was in einer Tasse Kaffee steckt

Der bekannteste Inhaltsstoff ist Koffein. Eine Tasse Filterkaffee mit 200 ml enthält nach den Richtwerten des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) etwa 90 mg, ein Espresso mit 60 ml etwa 80 mg [1]. Koffein regt Herz, Kreislauf und das zentrale Nervensystem an. In moderater Menge steigert es Konzentration, Wachheit und körperliche Leistungsfähigkeit [1]. Bei Erwachsenen ist Kaffee in den meisten europäischen Erhebungen die wichtigste Koffeinquelle [2].

Kaffee enthält aber mehr als Koffein. Beim Rösten entsteht Acrylamid, ein Stoff, der sich beim starken Erhitzen stärkehaltiger Lebensmittel bildet. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) zählt Kaffee zu den wichtigsten Acrylamidquellen bei Erwachsenen [3]. Außerdem kann Kaffee den Cholesterinspiegel beeinflussen [6, 9]. Wie stark, hängt von der Zubereitung ab. Darum geht es weiter unten.

Was große Studienübersichten zeigen

Die umfassendste Auswertung stammt von Robin Poole und Kollegen aus dem Jahr 2017. Sie haben 201 Metaanalysen von Beobachtungsstudien mit 67 verschiedenen Gesundheitsfolgen und 17 Metaanalysen von Interventionsstudien zusammengefasst. Kaffee war dabei häufiger mit Nutzen als mit Schaden verbunden. Am größten war der Unterschied bei 3 bis 4 Tassen am Tag im Vergleich zu keinem Kaffee: Die Sterblichkeit insgesamt lag um 17 Prozent niedriger, die Herz-Kreislauf-Sterblichkeit um 19 Prozent. Wer viel Kaffee trank, erkrankte im Vergleich zu Menschen mit wenig Kaffee um 18 Prozent seltener an Krebs. Auch für mehrere Leber-, Stoffwechsel- und Nervenerkrankungen fanden sich niedrigere Risiken [4].

Frau in den Fünfzigern hält am Vormittag auf dem Balkon eine dampfende Tasse Kaffee
Bild: KI-generiert

Diese Zahlen beschreiben Zusammenhänge. Menschen, die Kaffee trinken, unterscheiden sich auch in anderen Dingen von Menschen, die keinen trinken. Viele scheinbar schädliche Zusammenhänge verschwanden zum Beispiel, wenn die Forschenden das Rauchen richtig berücksichtigten [4]. Die Autoren schreiben selbst, dass randomisierte Studien nötig sind, um zu klären, ob Kaffee die Ursache ist. Ihr Fazit: In üblichen Mengen scheint Kaffee im Allgemeinen sicher zu sein und eher zu nützen als zu schaden, außer in der Schwangerschaft [4].

BereichWas die Studien fandenBeleg
Sterblichkeit insgesamtBei 3 bis 4 Tassen am Tag 17 Prozent niedriger als ohne Kaffee (Beobachtungsstudien)[4]
Herz-Kreislauf-ErkrankungenBei 3 bis 4 Tassen am Tag 15 Prozent seltener (Beobachtungsstudien)[4]
KrebsKein Beleg für eine krebserregende Wirkung; geringere Risiken für Leberkrebs und Krebs der Gebärmutterschleimhaut[5]
VorhofflimmernNach einer Kardioversion kehrte es mit etwa einer Tasse am Tag seltener zurück als ohne Kaffee (47 gegenüber 64 Prozent, randomisierte Studie)[7]
Extraschläge der HerzkammerAn Kaffeetagen im Schnitt 154 statt 102 am Tag (randomisierte Studie)[8]
CholesterinUngefilterter Kaffee erhöht das LDL-Cholesterin[6, 9]
SchwangerschaftViel Kaffee ging mit niedrigerem Geburtsgewicht, Frühgeburt und Fehlgeburt einher[4]

Herz, Blutdruck und Herzrhythmus

Die American Heart Association hat im Sommer 2026 den Forschungsstand zu Koffein und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zusammengefasst. Kaffee war in den Studien entweder nicht mit koronarer Herzkrankheit und Herzschwäche verbunden oder mit einem geringeren Risiko. Mäßiger Kaffeekonsum ging recht einheitlich mit weniger Schlaganfällen einher, regelmäßiger Kaffee mit weniger Typ-2-Diabetes, wobei die Ergebnisse dazu nicht einheitlich waren [6]. Beim Blutdruck fanden die meisten Studien einen Zusammenhang in Form eines umgekehrten J: Mäßige Mengen schnitten am günstigsten ab [6]. Das BfR weist darauf hin, dass übermäßiger Koffeinkonsum über längere Zeit den Blutdruck erhöhen kann [1]. Wenn du deine Werte gemessen hast, kannst du sie mit dem Rechner Blutdruck einordnen vergleichen.

Lange hieß es, Kaffee löse Herzrhythmusstörungen aus. Zwei randomisierte Studien zeichnen ein genaueres Bild. In der DECAF-Studie bekamen 200 Menschen mit anhaltendem Vorhofflimmern, bei denen eine Kardioversion geplant war, per Los entweder die Empfehlung, mindestens eine Tasse Kaffee am Tag zu trinken, oder die Empfehlung, ganz auf Kaffee und Koffein zu verzichten. Die Studie war offen, die Teilnehmenden wussten also, welcher Gruppe sie angehörten. In der Kaffeegruppe kehrte das Vorhofflimmern innerhalb von sechs Monaten bei 47 Prozent zurück, in der Verzichtsgruppe bei 64 Prozent [7]. In der CRAVE-Studie trugen 100 Erwachsene 14 Tage lang ein EKG-Gerät, an zufällig ausgelosten Tagen tranken sie Kaffee. Die Extraschläge der Vorhöfe nahmen nicht deutlich zu, die der Herzkammern dagegen schon, von 102 auf 154 am Tag [8].

Anders sieht es bei sehr hohen Koffeinmengen aus. Zu Mengen, wie sie in Energydrinks stecken, gibt es nach der American Heart Association nur wenige Daten, und diese deuten eher auf Schäden für Herz und Kreislauf hin [6].

Krebs und Acrylamid

Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) der WHO hatte Kaffee 1991 als möglicherweise krebserregend eingestuft. 2016 hat eine Arbeitsgruppe aus 23 Fachleuten über 1.000 Studien neu bewertet und die Einstufung zurückgenommen. Kaffee gilt seitdem als nicht einstufbar, weil die Belege für eine krebserregende Wirkung nicht ausreichen. Viele Studien fanden keinen Einfluss auf Krebs der Bauchspeicheldrüse, der Brust und der Prostata und ein geringeres Risiko für Krebs der Leber und der Gebärmutterschleimhaut [5].

Dafür stufte die IARC sehr heiße Getränke über 65 Grad als wahrscheinlich krebserregend ein. Studien aus Regionen, in denen Tee oder Mate sehr heiß getrunken wird, fanden ein höheres Risiko für Speiseröhrenkrebs, je heißer das Getränk war. Nach der IARC scheint die Temperatur verantwortlich zu sein und nicht das Getränk selbst [5]. Als sehr heiß gelten Getränke über 65 Grad, du kannst deinen Kaffee also etwas abkühlen lassen, bevor du ihn trinkst.

Acrylamid kann nach der EFSA bei Verbrauchern aller Altersgruppen das Krebsrisiko erhöhen. Diese Einschätzung beruht auf Tierversuchen, die Daten aus Studien am Menschen sind begrenzt und uneinheitlich [3]. Die großen Kaffeestudien fanden insgesamt kein höheres Krebsrisiko bei Kaffeetrinkern [4, 5].

Cholesterin: Die Zubereitung macht den Unterschied

Ob Kaffee den Cholesterinspiegel erhöht, hängt davon ab, wie er zubereitet wird. Eine Metaanalyse von zwölf randomisierten Studien mit 1.017 Teilnehmenden fand, dass Kaffee über etwa sechs Wochen das Gesamtcholesterin und das LDL-Cholesterin erhöhte. Der Anstieg war bei ungefiltertem Kaffee größer, und Menschen mit erhöhten Blutfetten reagierten empfindlicher [9]. Die American Heart Association sieht zwischen Koffein und Blutfetten keinen klaren Zusammenhang, hält aber fest, dass ungefilterter Kaffee das LDL-Cholesterin erhöht [6]. Wenn deine Cholesterinwerte erhöht sind und du viel Kaffee trinkst, ist gefilterter Kaffee deshalb die naheliegende Wahl. Besprich deine Werte mit deiner Hausarztpraxis.

Mann in den Dreißigern brüht am Morgen Kaffee durch einen Papierfilter in eine weiße Tasse
Bild: KI-generiert

Schwangerschaft und Knochen

In der Schwangerschaft ist Zurückhaltung angebracht. In der Übersicht von Poole und Kollegen blieben hier schädliche Zusammenhänge bestehen, auch nach Berücksichtigung des Rauchens: Viel Kaffee ging mit einem niedrigeren Geburtsgewicht, mehr Frühgeburten und mehr Fehlgeburten einher [4]. Die EFSA hält für Schwangere bis 200 mg Koffein am Tag für unbedenklich, das sind etwa zwei Tassen Filterkaffee. Dieselbe Grenze gilt in der Stillzeit [2]. Nach dem BfR kann eine dauerhaft erhöhte Koffeinzufuhr in der Schwangerschaft das Wachstum des Kindes vermindern [1]. Welche Untersuchungen in der Schwangerschaft anstehen, beschreibt der Ratgeber Vorsorge in der Schwangerschaft.

Bei Frauen fand die Übersicht außerdem einen Zusammenhang zwischen Kaffee und Knochenbrüchen, bei Männern nicht [4]. Die Autoren schlagen vor, Frauen mit erhöhtem Bruchrisiko vorsichtshalber aus Kaffeestudien auszuschließen [4].

Schlaf und Trinkmenge

Koffein wirkt nach dem BfR 15 bis 30 Minuten nach dem Trinken und kann mehrere Stunden anhalten [1]. Schon 100 mg können nach der EFSA bei manchen Erwachsenen den Schlaf beeinflussen, vor allem kurz vor dem Schlafengehen [2]. In der CRAVE-Studie schliefen die Teilnehmenden in Nächten nach Kaffeetagen im Schnitt 36 Minuten weniger [8]. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) rät, 4 bis 6 Stunden vor dem Schlafengehen keinen Kaffee oder Tee mehr zu trinken [10]. Weitere belegte Regeln stehen im Ratgeber Schlafhygiene.

Mann in den Sechzigern bereitet am späten Nachmittag eine Tasse Kräutertee zu, daneben ein Glas Wasser
Bild: KI-generiert

Dass Kaffee dem Körper Wasser entzieht, stimmt in dieser Form nicht. Koffein wirkt nach dem IQWiG nur wenig harntreibend, deshalb tragen Kaffee und Tee zur Trinkmenge bei. Den ganzen Flüssigkeitsbedarf solltest du damit aber nicht decken [11]. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) sieht Kaffee als Genussmittel, das in moderaten Mengen von 3 bis 4 Tassen am Tag getrunken werden sollte [12]. Wie viel du insgesamt trinken solltest, erklärt der Ratgeber Wie viel sollte man am Tag trinken?

Wie viel Kaffee am Tag in Ordnung ist

Für gesunde Erwachsene hält die EFSA bis 400 mg Koffein am Tag für unbedenklich, wenn die Menge über den Tag verteilt ist, und bis 200 mg auf einmal [2]. Mit Filterkaffee sind das etwa vier Tassen am Tag. Die DGE kommt mit 3 bis 4 Tassen auf eine ähnliche Menge [12]. Für Schwangere und Stillende liegt die Grenze bei 200 mg am Tag [2]. Für Menschen mit Erkrankungen, bei der Einnahme von Medikamenten und zusammen mit größeren Mengen Alkohol gelten diese Werte nach dem BfR nicht [1].

Wie empfindlich jemand auf Koffein reagiert, ist sehr verschieden. Höhere Mengen können nach dem BfR Nervosität, Schlaflosigkeit, Schweißausbrüche und Herzrasen auslösen [1]. Wenn du solche Beschwerden bemerkst, ist das ein Grund, weniger zu trinken, auch wenn du unter 400 mg liegst. Wenn du nach regelmäßig viel Kaffee plötzlich ganz aufhörst, können nach dem BfR Kopfschmerzen, Müdigkeit und Konzentrationsprobleme auftreten [1].

  1. Behörde Kaffee, Energy Drinks oder Koffeinpulver: Muntermacher mit gesundheitlichen Risiken? (Fragen und Antworten). Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Stand 05.01.2026. abgerufen am 28.10.2026
  2. Behörde Caffeine (Topic) und Scientific Opinion on the safety of caffeine, EFSA Journal 13(5):4102. Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies. Stand 27.05.2015. abgerufen am 28.10.2026
  3. Behörde Acrylamide (Topic). Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA). Stand Stellungnahme vom 04.06.2015. abgerufen am 28.10.2026
  4. Studie Coffee consumption and health: umbrella review of meta-analyses of multiple health outcomes. BMJ 359:j5024. Poole R, Kennedy OJ, Roderick P, Fallowfield JA, Hayes PC, Parkes J. Stand 22.11.2017. abgerufen am 28.10.2026
  5. Behörde IARC Monographs evaluate drinking coffee, maté, and very hot beverages (Pressemitteilung Nr. 244). Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) der WHO. Stand 15.06.2016. abgerufen am 28.10.2026
  6. Leitlinie Caffeine and Cardiovascular Disease: A Scientific Statement From the American Heart Association. Circulation 154(9), S. e345 bis e355. Marcus GM, Hu FB, van Dam RM u. a.; American Heart Association. Stand 20.07.2026. abgerufen am 28.10.2026
  7. Studie Caffeinated Coffee Consumption or Abstinence to Reduce Atrial Fibrillation: The DECAF Randomized Clinical Trial. JAMA 335(4), S. 317 bis 325. Wong CX, Cheung CC, Montenegro G u. a.. Stand 27.01.2026. abgerufen am 28.10.2026
  8. Studie Acute Effects of Coffee Consumption on Health among Ambulatory Adults. N Engl J Med 388(12), S. 1092 bis 1100. Marcus GM, Rosenthal DG, Nah G u. a.. Stand 23.03.2023. abgerufen am 28.10.2026
  9. Studie The effect of coffee consumption on serum lipids: a meta-analysis of randomized controlled trials. Eur J Clin Nutr 66(8), S. 872 bis 877. Cai L, Ma D, Zhang Y, Liu Z, Wang P. Stand 08.2012. abgerufen am 28.10.2026
  10. Behörde Was tun bei Schlafproblemen?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 03.07.2024. abgerufen am 28.10.2026
  11. Behörde Im Alltag genug trinken: Tipps und Hilfen. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 18.10.2023. abgerufen am 28.10.2026
  12. Fachgesellschaft Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr: Wasser. Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE). Stand Stand der Ableitung 2000. abgerufen am 28.10.2026

Hinweis: Ein Selbsttest gibt dir eine erste Einschätzung. Er ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Untersuchung und keine Diagnose.

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